Freitag, 21. März 2025

5654/1626 SE Verstärker



Seit längerer Zeit nutze ich einen kleinen Verstärker, welcher mit der 12SH1L und der 1626 (VT-137) aufgebaut ist, ich hatte das 2014 dokumentiert. Den Schaltungsentwurf hatte ich auf den Seiten von Jogis Röhrenbude gefunden und entsprechend umgesetzt. Aufgrund der Übertrager sekundärseitig 5 Ohm, war er für den Betrieb an Saba Lautsprechern gedacht.

 

Im Ergebnis war das dann auch ok so und funktionierte problemlos. Eine längere Zeit nutze ich das kleine Gerät in meinem Homeoffice. Seit dem Umbau auf eine Lösung mit Webradio/Raspberry Pi, wurde er jedoch nicht weiter genutzt. 

 

 

Irgendwann habe ich mir diesen auf den Tisch gestellt und überlegt, ob ich ihn nicht doch noch etwas optimieren könnte. 


 

Konzipiert war dieser von Gerd Reinhöfer ursprünglich für die 717A, siehe auch Link zur Schaltung. Diese zu verwenden würde bedeuten, unverhältnismäßig hohen Aufwand zu betreiben (Kosten/Beschaffung). Allerdings ist die EF95/5645/6AK5W in der angedachten Schaltung kompatibel. 


Relevanter Unterschied im Schaltungsdesign ist die konzipierte Gegenkopplung. Gerd Reinhöfer hatte diese noch von "GK über alles" auf phasenstarre GK umgearbeitet, wie sie im Prinzip bei mir in der PL82/EL34 auch Anwendung findet.

Was somit unverändert bleiben konnte, waren die Ausgangsübertrager aus einem Saba Freudenstadt mit 10k, der konkret dafür gedachte Netztrafo und die Stromversorgung. Allerdings habe ich die SV noch einmal komplett zerlegt und auch die Schaltung nicht einfach abgeändert sondern noch mal neu aufgebaut. Dabei bei der Auswahl der Bauteile diverse Änderungen vorgenommen. Sichtbarster Umbau ist der Wechsel von Oktalfassung auf 7-polige Fassung. 

 

 

Damit ein Rückbau möglich bleibt, habe ich die Aussparungen mit entsprechend zurecht geschnittenen Unterlagen aus Aluminium versehen und in diese dann die Röhrenfassungen eingesetzt. Ist jetzt nicht so schick, zudem sieht der Aufbau mit den 12SH1L stimmiger aus, geht meines Erachtens dennoch grundlegend.

Was immer etwas hemdsärmelig wirkte, war die Front. Ein Tausch der Frontplatte, der Kippschalter und Potiknauf, hat die Sache etwas aufgehübscht. Die Font wollte ich noch in Anthrazit identisch der Abdeckhauben lackieren, stelle ich erst einmal zurück. 

Eine kleine Anpassung war noch bei der Heizspannung erforderlich, die etwas zu hoch lag. Zwei Widerstände 0,22 Ohm jeweils in der 12,6V Zuleitung haben das gelöst. Ist nur wichtig, diese parallel einzubinden, da die beiden 5654 aufgrund der 6,3V einseitig auf Masse liegen.

Den Ruhestrom habe ich nahezu genau auf die 25mA eingestellt. Kleine Arbeiten sind noch zu erledigen, grundlegend ist der Umbau abgeschlossen. 


Bei der Inbetriebnahme gab es auch einen Fehlversuch. Die Erzeugung der negativen Gitterspannung erfolgt über separaten Abgriff am Trafo. Natürlich muss man sich die Anordnung nach dem Gleichrichter auf dem Kopf denken. Plus kommt auf Masse, "Masse" ist dann Minus. Klingt einfach, ist in der Praxis auch mal schnell übersehen...

Was für den Testbetrieb recht praktisch ist, die Hauben, welche von Hebdrehwählern der Fernmeldetechnik stammen, haben diese Bügel, auf die die Hauben geschoben werden. Damit lässt sich der Verstärker bequem und standsicher auf dem Kopf gestellt betreiben und ich komme sehr gut an die einzelnen Baugruppen ran. Erleichtert die Einstellarbeiten.


 

Das Ergebnis hat mich positiv überrascht. Ich habe den Verstärker bisher etwas unterschätzt und nicht erwartet, doch noch mehr raus holen zu können. Im jetzigen Aufbau ist das Ergebnis wirklich beachtlich. Er läuft absolut rausch- und brummfrei, die Ausgansleistung ist natürlich gering, an den Jericho Hörnern jedoch machbar für Zimmerlautstärke. Die Fehlanpassung, wenn man so will (der AÜ ist auf 5 Ohm, die Lautsprecher sind auf 8 Ohm ausgelegt), erscheint mir als unkritisch. 


Was mir wirklich gefällt ist die saubere, detaillierte und ausgewogene Auflösung. Gemessen an der Größe der Ausgangsübertrager ist auch die Tieftonwiedergabe erstaunlich. Die Kombination Pentode und Triode passt einfach. Mir fehlt beim Hören nichts. Erst im Direktvergleich mit anderen Verstärkern fallen die Unterschiede ins Gewicht. 

Ich werde den Verstärker auf jeden Fall eine Weile in meiner Anlage nutzen. Einfach weil ich mich freue, wieder eine kleine Verbesserung an meinen Gerätschaften erzielt zu haben.