Donnerstag, 31. Juli 2025

Betriebsblind

Ich habe die letzten Tage mit einem Problem gekämpft, deren Umstände mich dazu veranlassen, einen Eintrag in meinem Bautagebuch vorzunehmen. 

Auch wenn ich hin und wieder an meiner Anlage kleine Änderungen durchführe, so ist grundlegend alles an seinem Platz und größere technische / bauliche Veränderungen erfolgen nicht.

Zwischenzeitlich steht auch immer mal eine Putzaktion an, bei der ich alle Geräte aus dem Rack nehme, alles vom Staub befreie und wieder an den gewohnten Platz stelle.

Letztens viel mir während ich Musik von Schallplatte hörte ein leichter Brumm auf, der da nicht sein durfte. Nicht vordergründig, jedoch wahrnehmbar, wenn keine Musik spielt. Das war in der Form vorher nicht. Verkabelung geprüft Geräte ein und aus geschaltet, auf einmal alles gut. 

Tage später gleiches Spiel. Dabei viel mir auf, dass der Brumm immer dann auftrat, wenn ich zur aktiv genutzten Phonostufe ganz unten rechts auch die zweite RIAA, die in der mittleren Ebene mit C3g Röhren, ebenfalls in Betrieb hatte. Diese ausgeschaltet, alles wieder gut. Wie kann es zu so einer Wechselwirkung kommen?

Was dann folgte war einer Verkettung logischer und völlig unsinniger Prüfschritte, um hinter die Ursache zu kommen: Masseverkabelung des Plattenspielers, Masseschleifen zwischen den Geräten, Phonostufe halb zerlegt und Leitungsführung Schritt für Schritt geprüft. Tonarme, Tonabnehmer, Headshell getauscht.

Entdeckt, dass der Brumm immer dann auszumachen war, wenn der ADC 550 XE Tonabnehmer genutzt wurde. Zwischendurch, um wirklich alles auszuschließen, auch noch eine andere Phonostufe herangezogen. 

Hier biege ich einmal kurz ab, weil es mir zu dieser Phonostufe noch ein paar Worte der Erklärung wert sind. Es handelt sich um die bekannte Aikido-Platine, welche Herr Otto entwickelt hat und man sie über den eBay Shop erwerben kann. Aus meiner Sicht stimmt bei dieser Platine das Preis-Leistungs-Verhältnis absolut.

Ich hatte mir diese aus Interesse einmal zugelegt, jedoch dann nicht weiter genutzt. Was etwas schade ist, in meiner Ausführung fehlen noch die vier Bohrungen zur Befestigung, die Herr Otto in der aktuellen Version ergänzt hat. Eine gewisse Herausforderung für den Einbau in ein Gehäuse. Das Teilchen klemmt man ideal an einen Akku und in loser Schüttung kann sofort Musik gehört werden. 

Genau das war der Grund, weshalb ich sie hervorgekramt hatte, der Betrieb ohne Netzteil. Weil mir das dann doch zu schlumperig im Aufbau war, habe ich dem Gebilde noch fix ein extra Gehäuse gezimmert. Drei Mutiplexbrettchen, eine Aluplatte 15x20 cm und zwei dünne Sperrholzplatten als Rückwand und den Deckel, welchen man einfach einschieben kann. Die Rückwand bewusst aus Holz, da ich die Aussparung für die Chinchbuchsen rein fräsen musste, bei Metall wäre mir das zu großer Aufwand gewesen. Um die Platine dann präzise in der Höhe zu justieren, habe ich eine recht rustikale Vorgehensweise gewählt. Unter die Platine ein Stück MDF. Montagekleber auf den Gehäuseboden,  MDF und Platine drauf, und dann sachte so lange runter drücken, bis genau die Aussparung mittig ist. Gehalten wird die Platine durch einen darüber befestigte Leiste. Die zwei 12V Akkus sind auch nur eingeklebt. 

Das Ladegerät in Form eines Steckernetzteils habe ich komplett zerlegt und nur die Innereien hinter die Front montiert. Mit Dreifachschalter wird dann zwischen Betrieb / Aus / Laden umgeschaltet. Die RIAA zieht 40mA, da kann man sich noch die 8mA für die blaue Betriebs-LED gönnen, rot für Netzbetrieb. In Mac Gyver Manier über Schrumpfschlauch auch noch das Licht der LED´s der Ladeanzeige von der Platine aus der Front geführt, was nicht wirklich schön zu sehen ist, reicht für den Zweck, und die LED´s direkt raus zu führen, war mir mit der Löterei zu fummelig. 
Die ganze Kiste habe ich dann noch mit der Spraydose bearbeitet. Die Farbgebung in anthrazit erfolgte nicht zufällig, sondern ganz bewusst. Mir sind doch im Keller gleich drei halbvolle Spraydosen in dieser Farbe in die Hände gekommen, die mal weg mussten...

An einem regnerischen Sonntag habe ich mir einen großen Pott Kaffee und einen Schreibblock geschnappt und Struktur in meine Suche gebracht. 

Eine Checkliste aufgestellt und abgearbeitet. Die Erleuchtung kam dann, als ich die RIAA mit C3g ohne weitere Kabel außer der Netzversorgung eingeschaltet hatte. Der Brumm bestand weiterhin!

Das Ergebnis ist dann irgendwie auch wieder Logisch. Das ADC 550 XE reagiert im Gegensatz zu einem 220 oder einem Ortofon VM Silver sehr stark auf Störfelder. Warum, ich weiß es nicht. Die RIAA erzeugt genau dieses Störfeld und ist direkt unter dem Thorens platziert. 

Als Sofortlösung ist der Thorens auf die linke Seite gewandert, betreibe ich weiterhin an der C3g RIAA, weil das meine aktuell favorisierte Kombination ist. Der zweite Thorens ist an die RIAA unten rechts angeschlossen. Jetzt also wieder Ruhe eingekehrt und den Grund ausgemacht. 

Warum gab es das Problem bisher nicht? Der besagte Thorens stand mit dem ADC 550 vor der Putzaktion links, ich hatte ihn beim Zurückstellen einfach nur auf die andere Seite platziert und das ADC 550 habe ich noch nicht so lange im Einsatz, um es vorher schon mal bemerkt zu haben. 

Ich kann mich nun gezielt weiter damit auseinandersetzen, ohne hektisch wildes Chaos zu verursachen. Erster Gedanke, generell ein geerdetes Stahlblech unter das oberste Brett des Regals zu montieren. Wäre nicht sichtbar und würde zumindest nicht schaden. Logisch auch, den Deckel auf das Gehäuse mal drauf machen... 



Freitag, 21. März 2025

5654/1626 SE Verstärker



Seit längerer Zeit nutze ich einen kleinen Verstärker, welcher mit der 12SH1L und der 1626 (VT-137) aufgebaut ist, ich hatte das 2014 dokumentiert. Den Schaltungsentwurf hatte ich auf den Seiten von Jogis Röhrenbude gefunden und entsprechend umgesetzt. Aufgrund der Übertrager sekundärseitig 5 Ohm, war er für den Betrieb an Saba Lautsprechern gedacht.

 

Im Ergebnis war das dann auch ok so und funktionierte problemlos. Eine längere Zeit nutze ich das kleine Gerät in meinem Homeoffice. Seit dem Umbau auf eine Lösung mit Webradio/Raspberry Pi, wurde er jedoch nicht weiter genutzt. 

 

 

Irgendwann habe ich mir diesen auf den Tisch gestellt und überlegt, ob ich ihn nicht doch noch etwas optimieren könnte. 


 

Konzipiert war dieser von Gerd Reinhöfer ursprünglich für die 717A, siehe auch Link zur Schaltung. Diese zu verwenden würde bedeuten, unverhältnismäßig hohen Aufwand zu betreiben (Kosten/Beschaffung). Allerdings ist die EF95/5645/6AK5W in der angedachten Schaltung kompatibel. 


Relevantester Unterschied zum derzeitigen Schaltungsdesign ist abgesehen von der 12SH1L die konzipierte Gegenkopplung. Gerd Reinhöfer hatte diese noch von "GK über alles" auf phasenstarre GK umgearbeitet, wie sie im Prinzip bei mir in der PL82/EL34 auch Anwendung findet.

Was somit unverändert bleiben konnte, waren die Ausgangsübertrager aus einem Saba Freudenstadt mit 10k, der konkret dafür gedachte Netztrafo und die Stromversorgung. Allerdings habe ich die SV noch einmal komplett zerlegt und auch die Schaltung nicht einfach abgeändert sondern noch mal neu aufgebaut. Dabei bei der Auswahl der Bauteile diverse Änderungen vorgenommen. Sichtbarster Umbau ist der Wechsel von Oktalfassung auf 7-polige Fassung. 

 

 

Damit ein Rückbau möglich bleibt, habe ich die Aussparungen mit entsprechend zurecht geschnittenen Unterlagen aus Aluminium versehen und in diese dann die Röhrenfassungen eingesetzt. Ist jetzt nicht so schick, zudem sieht der Aufbau mit den 12SH1L stimmiger aus, geht meines Erachtens dennoch grundlegend.

Was immer etwas hemdsärmelig wirkte, war die Front. Ein Tausch der Frontplatte, der Kippschalter und Potiknauf, hat die Sache etwas aufgehübscht. Die Font wollte ich noch in Anthrazit identisch der Abdeckhauben lackieren, stelle ich erst einmal zurück. 

Eine kleine Anpassung war noch bei der Heizspannung erforderlich, die etwas zu hoch lag. Zwei Widerstände 0,22 Ohm jeweils in der 12,6V Zuleitung haben das gelöst. Ist nur wichtig, diese parallel einzubinden, da die beiden 5654 aufgrund der 6,3V einseitig auf Masse liegen.

Den Ruhestrom habe ich nahezu genau auf die 25mA eingestellt. Kleine Arbeiten sind noch zu erledigen, grundlegend ist der Umbau abgeschlossen. 


Bei der Inbetriebnahme gab es auch einen Fehlversuch. Die Erzeugung der negativen Gitterspannung erfolgt über separaten Abgriff am Trafo. Natürlich muss man sich die Anordnung nach dem Gleichrichter auf dem Kopf denken. Plus kommt auf Masse, "Masse" ist dann Minus. Klingt einfach, ist in der Praxis auch mal schnell übersehen...

Was für den Testbetrieb recht praktisch ist, die Hauben, welche von Hebdrehwählern der Fernmeldetechnik stammen, haben diese Bügel, auf die die Hauben letztlich geschoben werden. Damit lässt sich der Verstärker bequem und standsicher auf den Kopf gestellt betreiben und ich komme sehr gut an die einzelnen Baugruppen ran. Erleichtert die Einstellarbeiten.


 

Das Ergebnis hat mich positiv überrascht. Ich habe den Verstärker bisher etwas unterschätzt und nicht erwartet, doch noch mehr raus holen zu können. Im jetzigen Aufbau ist das Ergebnis wirklich beachtlich. Er läuft absolut rausch- und brummfrei, die Ausgansleistung ist natürlich gering, an den Jericho Hörnern jedoch machbar für Zimmerlautstärke. Die Fehlanpassung, wenn man so will (der AÜ ist auf 5 Ohm, die Lautsprecher sind auf 8 Ohm ausgelegt), erscheint mir als unkritisch. 


Was mir wirklich gefällt, ist die saubere, detaillierte und ausgewogene Auflösung. Gemessen an der Größe der Ausgangsübertrager ist auch die Tieftonwiedergabe erstaunlich. Die Kombination Pentode und Triode passt einfach. Mir fehlt beim Hören nichts. Erst im Direktvergleich mit anderen Verstärkern fallen die Unterschiede ins Gewicht. 

Ich werde den Verstärker auf jeden Fall eine Weile in meiner Anlage nutzen. Einfach weil ich mich freue, wieder eine kleine Verbesserung an meinen Gerätschaften erzielt zu haben.


 


Donnerstag, 6. Februar 2025

Getrennte Wege


In diesem Eintrag geht es darum, welche Kettenreaktion ausgelöst wird, wenn man einen gut gemeinten Tipp bekommt, doch mal eine Linestufe mit einer bestimmten Röhre zu probieren...

… so geschehen. Ich hatte angefangen, die erforderlichen Bauteile zusammen zu stellen und auch schon einige Lötarbeiten durchgeführt. Dann war etwas Ruhe eingekehrt, andere Dinge waren von größerem Interesse.

Irgendwann habe ich mir zwei Abende Zeit genommen, und die Linestufe fertig gestellt. Weil nur zum Test, auch nicht groß in ein Gehäuse gebracht, sondern auf einem einfachen Brett montiert. Mir ist bewusst, dass so ein offener Aufbau Gefahren mit sich bringt und man das nur machen sollte, wenn man sicher ist, dass keine Gefahren für Dritte entstehen können.

Der Vorverstärker lief in diesem Aufbau eine ganze Weile und um so länger er im Einsatz war, um so mehr habe ich Gefallen daran gefunden. Den wollte ich behalten.  Also doch in ein Gehäuse verfrachten. Da ich mich mit der Anzahl an Geräten beschränken will, sollte er einen bestehenden Vorverstärker ersetzen. Die Linestufe auf Basis der 5654 wollte ich so belassen wie sie ist. Die fasse ich nicht an.  

Der Phonoteil noch im Testaufbau

Meine zweite Linestufe mit der E288CC habe ich nach Schaltungsentwurf Alex Kriegel in Kombination mit der D3a RIAA aufgebaut. Ich habe gerade im Blog geschaut, wann das war. Das ist nun auch schon wieder fast 10 Jahre her, die Zeit rennt. 
Bis heute liefen die beiden Teile technisch problemlos. Allerdings hatte ich den Aufbau damals so konzipiert, Stromversorgung und Line/RIAA in getrennten Gehäusen zu betreiben. 
Konzeptbedingt kann ich die RIAA nicht solo nutzen. Das empfand ich schon öfter als Nachteil. Soll auch heißen, ich habe die RIAA mit D3a bisher noch nie mit einem anderen Vorverstärker betrieben.
Also noch einmal anders konzipieren. Hierbei die beiden Gehäuse beibehalten. 



In das eine ist die Linestufe eingezogen. Geheizt wird diese nicht mehr mit stabilisiertem Gleichstrom, sondern mit Wechselstrom. Den Hochvoltteil habe ich von einer Stabilisierung mit MOSFET auf gängige RC Siebung angepasst. Mehr gibt es eigentlich nicht zu erwähnen. Die Eingänge werden über einen Drehschalter gewählt. Hier könnte ich überlegen, auf eine Lösung mit Relais zurück zu greifen, geht so aber auch recht gut. Der vorhandene Platz ist ausreichend, ich musste nur etwas überlegen, wie ich die einzelnen Baugruppen sinnvoll positioniere. 

Die RIAA wollte ich in der Form unverändert belassen. Allerdings habe ich diese doch noch einmal komplett zerlegt und dann unter Verwendung der Bauteile mit kleinen Optimierungen wieder zusammengebaut. Die Stromversorgung ebenfalls von MOSFET auf RC Siebung umgestellt, aber für die Heizung weiterhin stabilisierte Gleichspannung. Wie an anderer Stelle geschrieben, ist es mir bisher nicht geglückt, die Röhren einer RIAA zufriedenstellend mit Wechselstrom zu beheizen. Als Trafo kam ein Ringkerntrafo mit sekundär 230V/9V zum Einsatz. Heizspannung läuft sanft hoch, bevor Betriebsspannung zugeschaltet wird. Das sollte die Röhren schonen. 

Auch wenn sich die Seitenwände Front, Rückwand und Deckel komfortabel einzeln öffnen lassen, gestaltete sich der Zusammenbau wie Tetris. Die Halterung für die Röhren sind auf Gummis gelagert, wie ich es bei der C3g auch umgesetzt habe. 
Gut war, die ganze Schaltung vor dem Einbau noch einmal längere Zeit Probe laufen zu lassen, bevor der Einbau erfolgte. 
Nach eine gewissen Betriebsdauer im Testbetrieb stellte ich fest, dass der eine Kanal von den Werten immer wieder abdriftete. Konnte ich mir nicht erklären. 
Dann nach der Ausschlussmethode gearbeitet. Zuführung Stromversorgung links /rechts getauscht, Fehler bleibt auf dem gleichen Kanal. Röhren getauscht, identisches Verhalten. Somit war die Ursache schnell eingrenzbar. Der Gitterableitwiderstand hatte eine kalte Lötstelle, nicht sichtbar, erst durch Messung ermittelbar. Danach alles schick. Werte stellen sich ein, wie erwartet. 


Aus Interesse und einem Spieltrieb heraus, habe ich noch fix eine Umschaltmöglichkeit gebastelt. Das kann man natürlich eleganter mit Relais etc. realisieren, mir reichten zwei zweipolige Umschalter. Zwei und nicht nur einen Schalter deshalb, um sowohl Signal als auch Masse schalten zu können, um ggf. Masseschleifen auszuschließen.
Somit ist es ohne nervige Stöpselei möglich, an einem Plattenspieler und einer Linestufe zwischen zwei unterschiedlichen RIAA Verstärkern zu wechseln. Natürlich gehen auch zwei Plattenspieler an einer RIAA, wenn man die Richtung tauscht.
Das fand ich für mich ganz interessant, die drei RIAA´s mit unterschiedlichen Röhren D3a, C3g und E88CC in entsprechenden Schaltungen direkt vergleichen zu können. Das Umschalten geht recht fix, erfordert allerdings auch immer die Anpassung der Lautstärke am Poti. Ich hatte mir mit Filzstift kleine Markierungen gesetzt, damit es einfacher war.

Links Vorverstärker, rechts Phono, beide Geräte ohne Deckel



Jedes Gerät für sich gesehen passt für mich. Wenn ich mich unbedingt entscheiden müsste, würde ich aktuell der RIAA mit D3a den Vorzug geben. 
Zumindest habe ich den Umbau bis auf ein paar kleine Restarbeiten abgeschlossen, bin mit dem Ergebnis zufrieden. Das war mir einen Eintrag im Blog wert. 



Montag, 16. Dezember 2024

Tang Band im Jericho Horn

Nachdem ich die Hornlautsprecher Probe gehört hatte, wollte ich den Gehäusen noch einen ordentlichen Anstrich zukommen lassen. 

Aufgrund des Gewichtes habe ich die Arbeiten nicht wie üblich im Hobbykeller ausgeführt. Ich bin auf meinen Fahrradschuppen ausgewichen bzw. die Schleifarbeiten wurden ins Freie verlegt.

Nach Grundierung dann mit der Rolle die Farbe aufgetragen. Also kein großer Aufwand, wenn im Vorfeld ordentlich gespachtelt und geschliffen wurde. Die Hornöffnung hatte ich am Anfang auch in weiß gehalten, das wirkte für mich etwas trist. Mit dem grau gefällt es mir persönlich dann doch besser. Ist wie immer Geschmacksache.


Die Aufdopplung der Front entstand aus einer Leimholzplatte Esche, die ich entsprechend bearbeitete. Aus Designgründen hätten die Teile ruhig 1 - 2 cm breiter sein können, um stärker anschrägen zu können. Dann hätten die Bretter jedoch nicht durch den Dickenhobel gepasst. So geht es auch.


Die Lautsprecher standen dann aus mehreren Gründen längere Zeit ohne Chassis bei Seite gestellt.

Nun hatte ich mich entschlossen, sie wieder ins Musikzimmer zu bringen und ausgiebig Musik zu hören. Auch wenn ich keine überschwängliche Begeisterung verspüre, muss ich doch zufrieden feststellen, die Arbeit zum Aufbau und die Kompromisse in der Aufstellung sind diese in jedem Fall wert. 

Nach mehreren Tagen erlaube ich mir auch eine vorsichtige Einordnung. Letztlich immer nur im Vergleich zu Lautsprechern möglich, die bereits in meinem Musikzimmer aufgestellt waren. 

Klanglich sind sie der in Summe beste Kompromiss, den ich hier im Musikzimmer hatte! 

Ausreichend Dynamik, breite Bühne und sie sind auch noch angenehm, wenn ich mal etwas lauter hören will. Umgekehrt, auch gerade dann, wenn ich abends in dezenter Lautstärke Musik höre, verschwinden die Details nicht. 


Der ursprüngliche Gedanke zum Bau war ja das Umgehen der Raumresonanzen. Das hat in der Form nicht wirklich funktioniert. Da die Jericho Hörner jedoch nicht so tief spielen wie die Flat 8, ist die Tieftonwiedergabe zumindest spürbar entspannter für meine Ohren.

Donnerstag, 8. August 2024

Ulrich forscht

Macht man sich die Mühe und misst am
Höhrplatz mal nach, wie sich die akustischen Gegebenheiten dort zeigen, kann auch schnell Ernüchterung aufkommen. Von einem mit vielen Weichenbauteilen glatt gezogenen Frequenzgang eines Lautsprechers bleibt bei ungünstigen Raumverhältnissen erschreckend wenig übrig.

Das ist jetzt keine neue Erkenntnis, letztlich entspricht es genau dem, was ich auch beim Musikhören beobachten kann.


In meinem Beispiel habe ich einmal einen ungünstigen Frequenzverlauf dargestellt, wie er sich bei einer Messung gezeigt hat. Deutlich ist hier die Bassüberhöhung und Auslöschung aufgrund von Raumresonanzen erkennbar.




Da ich mich mit dem Thema Raumoptimierung nicht wirklich auskenne, habe ich doch einige Zeit verbracht, die Zusammenhänge verstehen zu wollen. Vor allem auch die Grenzen der Machbarkeit solcher Optimierungen einzuschätzen. 



In diesem Zeitraum habe ich unter anderem mit großen Blöcken Dämmwolle, wilden Konstruktionen eines Helmholzabsorbers und verschiedenen Diffusoren herum experimentiert. 

In Summe kann ich sagen, dass das alles nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hat. Gegen eine Raumresonanz z.B. um die 40Hz hat man ein schweres Spiel. Aber natürlich gibt es Maßnahmen, die in Summe zu Verbesserungen führen.

Eine doch recht gute Idee war es, ein Wandbild aus diversen zurecht gesägten Holzklötzchen zu fertigen. Allein, weil es schön aussieht, hat es seinen Platz im Musikzimmer gefunden.

Im Vergleich der verschiedenen Lautsprecher und auch im Versuch, durch Veränderung der Aufstellung eine Verbesserung zu bewirken, kam mir der Gedanke, ob das Übertragungsverhalten eines Lautsprechers in gewissem Rahmen Verbesserung der Abhörsituation bringen könnte. Wenn der Frequenzgang ab 50Hz in den Sinkflug geht, dann wirkt der Bass um 40Hz nicht mehr so dominant, so die unbedarfte Überlegung...

Da ich eh noch einmal etwas mit einem Hornlautsprecher probieren wollte, kam mir unter anderem der Bauvorschlag des Cobra 2 Horns gelegen. Um die Hobbykasse nicht arg zu quälen, habe ich den Aufbau aus einfacher Spanplatte vorgenommen, jedoch keine weitere Energie rein gesteckt, was die Oberfläche betraf. Hauptsache, die Sägeschnitte waren präzise und ordentlich verleimt. 




Das Ergebnis war so weit ganz gut, allerdings verlor der W8-1772 im Horn an Bühne gegenüber den bisherigen Lautsprechern mit breiter Schallwand. Von beiden etwas wäre irgendwie nicht schlecht. (an der Stelle auch angemerkt, das Cobra 2 Horn ist nicht für dieses Chassis, sondern für den W8-2145 mit höherer Güte entwickelt worden)




















Wenn schon große Kisten, dann ganz ordentlich. Also das Jericho Horn bauen!

Ich kann nur jedem raten, der sich mit dem Gedanken trägt das Horn zu bauen, sich dringend mit den Dimensionen zu beschäftigen. Das ist dann doch schon ein ordentliches Möbelstück und wenn man auf Stereo nicht verzichten mag, sind es deren zwei. Tipp: wenn man das Holz im Baumarkt ordert, gleich noch eine Sackkarre dazu nehmen. Leider habe ich kein Vergleichsfoto gemacht, bevor ich die Gehäuse der Cobra 2 weg gegeben habe. Der Sprung von Cobra 2 auf Jericho ist doch erheblich, auch wenn das auf dem Bild im Vergleich ganz unten nicht so deutlich wird. Das betrifft nicht nur die Maße, gilt auch für das Gewicht.














Die Lautsprecher wurden nach Plan gebaut. Da der Tang Band mit seinem Magneten recht tief und auch breit baut, ist eine Aufdopplung der Front vorzunehmen, um sich kompliziertere Anpassungen zu ersparen. Zu Testzwecken habe ich normale Spanplatte verwendet. In der finalen Version dann Leimholzplatte Esche, die ich erst noch mühevoll auf die 21 mm Dicke hobeln musste.


Vor der endgültigen Fertigstellung habe ich sie im Rohbau schon einmal länger probegehört. Im Vergleich zum Cobra 2 Horn gefallen sie mir für den 1772 deutlich besser. Ob das jetzt die beste Idee für mein Musikzimmer ist? Eher nicht. 

Ich denke, es ist zum aktuellen Stand der beste Kompromiss. 

Richtig fertig sind die Lautsprecher noch nicht. Wenn sie wieder im Musikzimmer stehen, wird es einen Teil 2 zu diesem Thema geben.

Montag, 13. November 2023

Eine Frage der Einstellung

Diesen Eintrag hatte ich bereits online, dann aber aus verschiedenen Gründen noch mal überarbeitet.
In meinem Blog passiert nicht mehr so viel, wie es in den Anfangsjahren der Fall war. Und das ist auch gut so. Schließlich habe ich mich intensiv damit auseinander gesetzt, welche Wiedergabegeräte mich für meine Art Musik zu hören, am meisten ansprechen. Das würde mich etwas nachdenklich stimmen, wenn ich immer noch in der Phase wäre, einen Verstärker nach dem anderen aufzubauen. So, wie es jetzt ist, bin ich zufrieden. Es wird sicher weiterhin gebaut und gebastelt, das jedoch in kleinen Schritten und aus einer anderen Motivation heraus. Vorhandenes noch ein Stück optimieren, ist eher der Blick. Auch mal aus reiner Neugier was bauen, weil ich auf etwas aufmerksam wurde oder ein HiFi-Freund mich mit einer Idee ansteckt.
Dabei möchte ich meine begrenzte Hobbykasse möglichst wenig belasten, vielmehr das nutzen, was in den Bastelkisten schlummert. Das Geld dann lieber in gute Musik stecken.


Die letzten Jahre habe ich wenn Platte, meist mit dem Thorens rechts im Bild gehört. Am Tonarm ist ein Ortofon VM Silver montiert. Für meinen Geschmack und Budget ein wirklich gutes System. Am linken Thorens nutze ich eines meiner ADC 220 X Tonabnehmer. Die haben die X Originalnadel (roter Punkt). Im Glauben, dem System und meinen Ohren etwas Gutes zu tun, hatte ich mir XE Nadeln (grüner Punkt) beschafft. Zu dem damaligen Zeitpunkt nur Nachbauten verfügbar und danach aus den Augen verloren. Ich kürze ab, es hat mir überhaupt nicht behagt. Besonders die zischelnden S-Laute haben mich davon abgehalten, diese Nadeln zu nutzen. Zumindest die R 20 X gingen akzeptabel.

Ich bin, was die richtige Justierung von Tonarm und Tonabnehmer angeht, immer noch in einer Lernkurve. Es liegen mehrere Abende des gezielten Lesens, Videos gucken und der Bemühungen zugrunde, den Thorens nebst SME noch einmal von Grund auf neu zu justieren. Das hat doch einige Zeit gedauert und bedurfte mehrerer Anläufe. Zu 100 Prozent bin ich immer noch nicht zufrieden. Es hat sich aber eine nachweisliche Verbesserung eingestellt. Die Binsenweisheit bestätigt sich wieder, durch eine sehr genaue Einstellung ist viel raus zu holen bzw. bei nicht optimaler Justierung geht viel verloren, was in der Kette auch nicht mehr zurück kommt. 

Die Tage bin ich dann darüber gestolpert, dass es die R 20 XE Nadel doch tatsächlich bei einem auf Tonabnehmer spezialisierten Händler zu einem fairen Preis im Original gibt (oder schon wieder vergriffen sind). Ich bin immer noch nicht so recht sicher, worin der konkrete Unterschied zwischen dem 220 XE und 990 XE liegt, da die gefundenen Complianceangaben beim 990 von 20µ bis 35µ schwanken, je nach dem, wo man schaut. Aus diesem Grund dann nur die R 20 XE Nadeln geordert.
 
Es ist schon beachtlich, wie deutlich die Unterschiede im Vergleich zu den Nachbaunadeln ausfallen. Eine gewisse Einspielzeit war schon nötig. Das ist im Alter immer das Gleiche. Man muss erst wieder in die Gänge kommen, wenn man sich lange nicht bewegt. Das war für mich schon ein Aufhorchen. Ich gehe so weit, damit komme ich mindestens auf das Niveau des VM Silver. 

Ich habe auch mal zum Test an beide TD 125 je ein ADC 220 mit jeweils neuer R20 XE Originalnadel montiert, um die beiden SME Tonarme vergleichen zu können. Das ist für mich schwierig, weil ich immer noch nicht ganz sicher bin, die perfekte Einstellung getroffen zu haben. Einen Abend sogar mal meinen eingemotteten Lenco hervor gekramt und bestückt.

Für den Test greife ich gerne auf zwei meiner Lieblings-LP´s vom geschätzten Boris Blank zurück. Sowohl Fifi Rong/Toy, wie auch Malia/Convergence fordern das System ordentlich heraus, was eine saubere Stimmenabbildung betrifft. Bei den Nachbaunadeln war das nicht zufriedenstellend, im Vergleich des jetzigen Setup ein deutlicher Sprung nach oben. Gerade, nachdem ich auch längere Abende einfach nur Musik gehört habe, wird die klangliche Aufwertung deutlich. Alles klarer, sauberer, mit präziserer Abbildung.

 
Die XE Nadeln kosten nur ein Drittel der Ersatznadel für das VM Silver. Alleine deshalb hat sich die Anschaffung für mich voll gelohnt. Es bleibt im Vergleich auch noch Budget für ein paar ordentliche LP´s übrig. Gut so.
 
Bin mir sicher, mit dem ADC ist noch mehr möglich und ich bin mit dem Thema noch nicht komplett durch.